Internet im Reich der Mitte

Wenn man als normaler Touri im Grossreich unterwegs sein will, ohne von der restlichen digitalen Welt abgehängt zu werden, sollte man sich vorbereiten.

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Logischerweise hab ich als erfahrener Chinabesucher dies mal wieder verpasst. Hatte mir zwar schon extra ein Tor-Zugang aufs Telefon geladen, dummerweise hat dies dort vor Ort nicht funktioniert. Und so kam es, dass ich auch dies Jahr wieder Folgendes desöfteren sah:

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Jibbieh!
Viele Meldungen, dass ich Nachrichten bei Facebook hab, aber mehr als das gabs dann auch nicht,

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weil FB an sich, sich nicht laden lässt. Ok, ohne Facebook kann ich ne ganze Weile ganz gut leben.
Bilder bei Flickr hochladen? Schwierig

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Mich über die Neuigkeiten Stuttgarts ins Bildsetzen? Nicht möglich.

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Schnell mal ne Google-Anfrage?
Ihr ahnt es.

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Nicht gesperrt ist Spiegel-Online! Auch wenn die Seiten-Anfragen stellenweise quälend langsam sind und sehr oft immer mal wieder diese Meldung kommt

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Meistens funktionierts aber. Das gleiche Bild bei Zeit-Online

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Ist die technologische Weltmacht, die sogar zum Mond fliegt, nun ein Internet-Dritte-Welt-Land?
Mitnichten. Innerhalb des Landes ist das Netz (die Vorsilbe „Inter“ lass ich jetzt bewusst mal weg) sehr gut ausgebaut. Downloadgeschwindigkeiten und Verfügbarkeiten, da träumt die Kanzlerin in Ihrem Neuland von.
Aber eben muss man sich vergegenwärtigen, dass überall noch die Chinesische Mauer steht. Und immer wenn es nach draussen geht, ist der Überprüfungsprozess, ob das angeorderte Wissen nicht schädlich für den Staat oder für das ihm unterstellte Volk ist, doch zeit- und ressourcenaufwändig.
Einzig richtig störend für mich als Touri daran wohl, die liebgewordene Goggle-Map-App nicht benutzen zu können.
GPS Daten werden zwar noch angezeigt (siehe oben erstes Bild), aber wenn man sich die Karten nicht vorher zur – offline – Nutzung runterlädt, hat man dann sehr schnell beim Zoomen verloren. Und schon ist man wieder auf die Chinesisch-Kenntnisse des Gatten angewiesen, der ja logischerweise auch ne Chinakarten-App auf seinem Telefon hat, die er, im Gegensatz zu mir, lesen kann. Wohl einer der Punkte, warum man als normaler China-Besucher nur in ner geführten Gruppe das Land besuchen sollte.

Aber das mit den Supergeschwindigkeiten innerhalbdes Landes ist noch nicht wirklich alles. Sie nutzen es auch entsprechend! Die meisten Leute schauen TV nur noch online. Video on demand sozusagen.

Von Digi, der Taxialternative, die man per Smartphone ruft, hab ich schon berichtet. Das man da auch digital bezahlt, ist nur folgerichtig.

Schwiegermutter bestellt selbst ihre Knabberchipps online und lässt sie sich liefern.

In so ziemlich jedem Shop zeigt man beim Bestellen das Telefon vor und lässt den Barcode scannen. 10% Rabatt sind da völlig normal.

Den Kaffee (oder Tee) im Lokal bezahlen? Wozu braucht man Bargeld? Bezahlen kann man auch mit Wechat, der besseren Whatsapp-alternative. 1984 lässt zwar grüßen, aber es hat auch was, so ein richtiger Fortschritt.

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Veröffentlicht am 18. Oktober 2016 in China und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Krass, ich könnte nie mit WeChat bezahlen. Am Ende bekommt man gezielt Werbung geschickt, weil die ja wissen was ich wann und wo gerne kaufe..

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