Archiv für den Monat April 2020

Maskenpflicht

Nachdem die Woche verkündet wurde, dass ab Montag in allen Bundesländern die Maskenpflicht im ÖPNV und in den Läden eingeführt wird, durfte ich auch einigen Gesprächen bei uns auf Baustelle lauschen.
„Ich geh jetzt nicht mehr einkaufen! Kann die Frau machen.“
„So ein Quatsch!“
„Bevormundung!“.

Ich sehe das etwas lockerer: Alles was hilft, den Alltag wieder hochzufahren / zur Normalität zurückzukehren und trotzdem nicht den nächsten Lockdown zu verursachen, sollten wir doch jetzt tun. Wer das nicht möchte, kann gern zu Hause bleiben. Ist wohl genauso effektiv.
Noch ist niemand gezwungen, auch draussen ne Maske aufzusetzen. Zum Glück, ist schon irgendwie ätzend, so ein Ding.
Der Gatte lässt mich ja auch wieder raus aus der Wohnung. Er war zufrieden damit, dass ich ihm verspreche, wenigstens im Treppenhaus ne Maske zu tragen.
War vorhin im Lotto-Laden und hab versucht, nen Schein auszufüllen. Echt umständlich, wenn einem ständig die Brille beschlägt.

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Für meinen gestrigen Lauf konnten wir uns auf das Tragen eines Multifuktionstuches im Treppenhaus einigen.
So ein Tuch hatte ich eh schon die letzten Läufe getragen. Nachdem ich mir vor 2 Jahren oder so mal bei warmen Wetter mit luftiger Brise mal nen richtigen Zug geholt habe, hatte ich mich mit solchen Tüchern eingedeckt. Sind schon recht praktisch. Im Treppenhaus kann man sich das Ding einfach vors Gesicht ziehen.

Neue Normalität

Wie oft haben wir diese Worte in letzter Zeit schon gehört?… Neue Normalität.
„Normal“ heißt es ja für mich schon seit sechs Wochen Home Office. Ist schon ne verdammt lange Zeit.
So nach den ersten drei Wochen hab ich mir mal noch ne neue Normalität verordnet und bin zu Frau K. ins Ostelbische gefahren.
Ich weiss, soll man ja nicht machen, so von wegen social distancing und so, aber war mir egal. Nur zu Hause in der Bude sitzen ist auf Dauer ja auch nicht gut und ob ich mein Home Office nun in Stuttgart betreibe oder im Brandenburgischen, ist auch meinem Arbeitgeber ziemlich egal.
War auch lauftechnisch recht fleißig dort, auch wenn man ja eigentlich kein Laufziel mehr hat, auf das man hintrainiert. Mit ein bisschen Glück klappts mit dem Dabendorfer Herbstlauf? Ich hoffe mal.
Hab da gleich mal die Strecke mehrfach ausgetestet.

april01

april02

Da meine Baustelle ja mehr oder weniger ungehindert weiterläuft, meinte mein Bauherrnvertreter diese Woche dann doch, mich mal wiedersehen zu müssen. Besprechen wir uns mal und das auch noch live, weil ViKo ist ja dann doch nicht so schön. Naja, bin ich mal nicht so, zumal ich mich auch auf meiner Baustelle mal wieder umsehen wollte. Ist eben doch was anderes, selber über die 6km lange Strecke zu dackeln. Und außerdem gibt’s ja hier auch ne schicke Laufstrecke 🙂

Zahlen

Seit Beginn der Krise schauen wir auf die jeweils aktuellen Zahlen. Ende des letzten Jahres war die erste Zahl, die ich gehört habe, „29“.
29 infizierte Patienten von einem neuartigem Virus in China infiziert. Die Zahl wuchs dann von Tag zu Tag, so dass man sich in der Presse ziemlich schnell darauf konzentrierte, die jeweilige Steigerungszahl hevorzuheben.
Als die Seuche in Deutschland ankam, wurden immer die Zahlen des Robert Koch Institutes in den Medien zitiert. Hochangesehene Forschungsanstalt, verleiht den Pressebeiträgen Integrität. Irgendwann kam dann die Kritik an der Zählweise der Betroffenenzahl in China. Die ganze Welt war entrüstet, dass die dort wohl nicht mal zählen können oder etwas zu verschleiern versuchen.

Die chinesischen Statistiker nahmen sich die Kritik zu Herzen und änderten ihre Zählweise, wodurch die Patientenzahl sprunghaft anstieg. Das war der chnesischen Regierung dann wieder nicht recht und die Zählweise wurde wieder geändert, so dass erstens niemand mehr durchsah, eine richtige Vergleichsmöglichkeit hatte und zweitens ein irgendwie geartetes Vertrauen in die genannten Zahlen gerechtfertigt wär.

Klamm und heimlich kam auch Kritik an der Zählweise des Robert Koch Institutes auf. Nicht up to date, veraltet, ungenau, so dass die Medien sich mehr und mehr auf die Zahlen der Johns Hopkins Uni bezogen. Schon lustig, aberwitzig und peinlich, dass wir als grosse Nation es nicht schaffen, unsere Zalen selber zu addieren und daher auf die Amerikaner zurückgreifen müssen. Scheint den Robert Koch Leuten aber auch ziemlich egal zu sein. Sie haben sich arrangiert und halten trotzdem ihre tagtäglichen Pressekonferenzen ab. Führen die RobertKochler Ihre Statistik jetzt eigentlich noch?

Ist ja auch nicht wichtig: Die Zahlen waren schon hoch und erschreckend genug, egal welche Zählweise. Sie wuchsen von Tag zu Tag.
Wo hat das ein Ende? Wo führt das hin?
Es versuchten sich die Statistiker und erfanden die Verdopplungszahl.
„Wenn der derzeitge Trend so anhält, wie lang dauert es, bis die Infiziertenzahl sich verdoppelt“.
Eine Erklärung, die in wirklich jeder Statistikmeldung in den Nachrichten immer mit erwähnt wurde.
Erst war die Zahl noch recht klein. Innerhalb von zwei Tagen. Innerhalb von 2,5 Tagen.
Innerhalb von 3 Tagen war dann schon ein Erfolg. Innerhalb von 6 Tagen („Wir sind auf dem richtigen Weg!“).
Es war eine greifbare, anschauliche, gut vermittelbare Zahl.
Kann man / muss man langsam auch mal darüber sprechen können, wann die auferlegten Einschränkungen so langsam zurückgefahren werden können. Doch niemand möchte was Falsches sagen oder sich festlegen. Nur ein bis dato seit Amtsantritt nicht mehr wirklich in Erscheinung getretener Kanzleramtsminister sieht seine Stunde gekommen und nennt ein Datum (nach Ostern). Helle Aufregung. Wie kann er so ein Datum nennen?! Das folgende Bashing war wohl nicht genug, so dass er am folgenden Tag in der Presse verlautbarte, dass die derzeit bei rund „6 bis 7“ liegende Verdopplungszahl doch mindestens bei „10“, „12“ oder „besser 14“ Tagen liegen sollte, bevor man sich wieder Richtung Normalität bewegen dürfte.
Österreich ist uns ja einige Tage Voraus, so dass dort bei einer Verdopplungszeit von 20,5 verkündet wurde, dass man jetzt langsam wieder die Läden aufmacht. Währenddessen Deutschland grad mal bei 12 war.
Zwischenzeitlich lag auch in Deutschland die Verdopplungszahl bei >35 Tagen.
Nach dem über eine Woche lang gebetsmühlenartig angekündigtem Termin (Mittwoch nach Ostern) war es endlich so weit: Die Verdopplungszahl ist tot. Es lebe die Reproduktionszahl!.
Eine die letzten Wochen immer wieder vermehrt in den Medien aufgetretene Kanzlerin (nachdem sie ja eigentlich vor der Krise schon in der Rentenvorbereitungszeit war) verkündet in ihrer PK, wie fragil doch sämtliche Zahlen noch zu sehen sind und wir derzeit Dank der Anstrengungen der letzten Monate eine Reproduktionszahl von 1,0 haben. Bitte weiter aufpassen, denn bei einem leichten Anstieg dieser Zahl auf 1,1 ist der Crash für Oktober zu erwarten, bei 1,3 bereits im Juli. Ein Szenario, dass sämtliche Politiker im Folgenden in ihren jeweiligen Statements gern aufgriffen. Der Untergang ist also immer noch nah.

Zwei Tage nach der Pressekonferenz lag die Reproduktionszahl bei nur noch 0,7.
Der Showeffekt dieser Zahl mit dem gewünschten Drohpotential ist dahin. Wir brauchen eine neue Zahl.
Ob Helge Braun in dieser Legislaturperiode nochmal ein Interview geben darf?

#Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz

Haben unsere Gesetzgeber doch schon vor einigen Wochen gewusst, dass uns schwierige Zeiten bevorstehen und schwierigen Zeiten man nur mit grossen Gesetzen begegnen kann. Und diese brauchen natürlich auch grosse Namen. Das #GuteKitaGesetz ist doch nur Klacks dagegen!
Ob das jetzt der große Wurf ist, werden wir wohl erst später sehen.
Warum jetzt nicht einfach das #Bürokratieabbaugesetz von 2019 entsprechend ergänzt wurde, könnte ja mal ein #Bürokratieabbaugesetzuntersuchungsausschuß ergründen. Machen wir später dann mal… nach der Krise.
Im Grunde genommen geht es bei der ganzen Sache ja wohl darum, die vielfältigen Einspruchsmöglichkeiten, die ein Anwohner, Beteiligter oder auch allzuoft ein Unbeteiligter in deutschen Landen ausnutzen kann, um Großprojekte zu verhindern, zu beschränken. Ein gutes Beispiel hier wohl vor Kurzem erst der Fall „Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern“ vs. „Tesla“ in Brandenburg.
Ob ich als demokratieliebender Bürger das nun gutheissen muss, lass ich an der Stelle mal unbeantwortet. Als jemand der beruflich eigentlich nur mit Großprojekten zu tun hat, kann ich die Verkürzung von Verfahrensdauern eigentlich nur begrüßen. Oftmals waren meine bisherigen Ausführungsbauprojekte von der ersten Idee her oft schon vor meiner Geburt erdacht worden. Und der Jüngste bin ich nun auch schon nicht mehr. Vielleicht denkt sich ja jetzt noch ein Entwurfsplaner mal ein Tunnelchen irgendwo aus, den ich noch vor meinem Renteneintritt abschließen kann? Sind ja nur noch 25 Jahre. Das wird sportlich.
Wirklich sportlich ist es derzeit für mich ja nicht wirklich. Meine eigentlich schon fast beendete Winterlaufpause hab ich ja vor mittlerweile 12 Tagen das letzte Mal unterbrochen und seitdem halte ich mich dran. #stayathome. Logisch, dass ich so natürlich auch meine eh schon deutlich verminderte #Laufplanungszielvorgabe für März verfehlt habe. Nur 63km im März. Das muss im April aber anders werden. Ich brauche wohl ein #Laufplanungszielumsetzungsgesetz. Meldet sich jemand freiwillig für den #Laufplanungszielumsetzungsgesetzarbeitskreis? Bei dem hätten wir zumindest mal mehr Buchstaben, als sich die Ideengeber dieser Headline ausgedacht haben!
Nimm das GroKo!

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