Blog-Archive

Bedenken

Gestern abend hab ich ne Reportage auf ARTE gesehen.
Es ging um
netto

Vor Allem um das Geschäfsmodell bzw. die Arbeitsbedingungen beim drittgrößten Discounter Deutschlands.
Quintessenz: Der grosse Erfolg des Konzerns beruht hauptsächlich auf gnadenloser Ausbeutung der Mitarbeiter.
Unterbezahlt und das mit ner 60 bis 80 Stundenwoche.
Und wer sich wehrt, wird gemobbt oder gleich rausgeschmissen.

Bei mir hier um die Ecke gibt´s so nen Laden. Früher war´s mal ein Plus und schon damals mein Stamm-Supermarkt.

Hab lang drüber nachgedacht: Ist es ok, dort einkaufen zu gehn, jetzt, mit dem Wissen, dass womöglich gleich nebenan die Leute ausgebeutet werden? Und ich mit meinem Einkauf dort das auch noch unterstütze?

Warum geh ich da hin?

Klar, weil der Kühlschrank gefüllt werden muss. Aber man könnte ja auch woanders hin. In der Reportage hatten Sie die Kunden nach dem Grund ihres Besuchs dort gefragt. Die Hauptantwort: „is billig“…

mmmhhh

Klar, „billig“ ist ein Grund, den ich verstehen kann. Aber ich glaube, es nicht der Hauptgrund bei mir, denn wenn ich ehrlich bin, geb ich, prozentual über den Monat gesehen, eh schon verdammt wenig für Grundnahrungsmittel und dergleichen aus.
Die tolle Einrichtung und das Wohlfühlklima beim Einkauf?…. nee, ist immer noch „nur“ ein Netto und ich denke, jeder weiss, dass es das nicht sein kann. Wenn´s danach gehen würde, würde ich doch eher nur beim Rewe landen.
Die schnelle Bedienung an der Kasse?… nee, könnt ich mich jedes Mal drüber aufregen, das schon wieder 8 bis 10 Leute an der Kasse vor mir stehen und die zweite Kasse immer noch nicht aufgemacht wird (ok, so gehts mir auch immer die Woche über beim ansonsten doch ziemlich guten Edeka in Ulm… glaube, die haben die langsamsten Kassierer überhaupt).
Die Frische und Qualität der Produkte? Warum hab ich mir angewöhnt, jedes Produkt nach dem MHD zu untersuchen, bevor ich es nehme? Hat nen Grund. Daran kann´s also auch nicht liegen.

Ich glaube, es ist einfach Faulheit.

Ist einfach der Laden, der mit 100m Entfernung am Nähesten dran ist. Rewe ist ca. 10min zu Fuss weit weg, Edeka noch ein Stück mehr. Der Laden direkt neben Netto?… vergess ich immer, ob´s ein Norma oder Was-auch-immer ist. War ich vielleicht zweimal drin bisher. In die andere Richtung gibt´s nen CAB ca. 150m weit weg. Bin ich ab und zu mal. Und eigentlich sollte ich echt ein schlechtes Gewissen haben… wegen 50m mehr geh ich lieber zum Netto, als zu nem Unternehmen, welches versucht, Gemeinnützigkeit mit Geschäft zu verbinden (in einem CAP Markt arbeiten behinderte und nicht-behinderte Menschen gemeinsam). So viel teurer als bei Netto ist´s nicht. Der Laden ist kleiner, aber aufgeräumter. Und der grosse Vorteil: An dem Kassen geht´s deutlich schneller.

Heute war ich beim CAB.

Ist es eigentlich ok, jetzt den Netto zu meiden und damit im Endeffekt ja doch ein Stück weit die Mitarbeiter in ihrer Existenz zu bedrohen, wenn das jeder macht? Oder brauchen sie einfach den Kick von aussen, um aufzustehen und sich nen anderen Job zu suchen, wenn es tatsächlich so schlimm ist, wie in der Reportage beschrieben?

Ich denke noch ein bisschen über meine Bedenken nach (auch wenn ich jetzt schon weiss, dass ich da eh wieder hingehen werde, so wie ich immer noch nen VW fahre oder bei Esso tanke). Bin eben doch ein Gewohnheitstier und vergesslich.

%d Bloggern gefällt das: