Blog-Archive

Wahltradition

Ja, es ist schon wieder so weit.
Das Volk wird befragt, wer sie denn nu für die nächsten Jahre in einem Parlament vertreten soll.
Dieses Mal Ende Mai dürfen wir die Parlamentarier nach Europa schicken. Ich, als europäischer Bewohner eines süddeutschen Flächenlandes, darf auch noch unsere Kommunalvertreter im gleichen Abwasch mitwählen. Fühl ich mich doch auch gleich ein bisschen um die Zelebrierung meiner Wahltradition, der sonntägliche staatstragende Gang zum Wahllokal, betrogen. Aber da steh ich jetzt mal drüber, wollen ja auch ein bisschen sparen. Aber dass mein auch hier lebender nicht-europäischer Gatte mal wieder ausgeschlossen wird, muss ich anprangern.
Wie die letzten Jahre auch, hat die Bundeszentrale für politische Bildung auch dieses Mal wieder den Wahl-O-Mat freigeschalten.

Ein tolles Tool um herauszubekommen, welche politischen Versprechungen die Kandidaten den Wählern in ihren Wahlprogrammen gemacht haben, sofern man was auf solche Programme gibt und nicht aus Tradition immer die gleiche Partei wählt (so wie ich) oder aus Frust irgendwelchen braunen oder blauen Mist wählt.
Also: zwei Empfehlungen / Bitten von mir:
1. informieren – zum Beispiel mit dem Wahl-O-Mat
2. bis zum 26.05.2019 wählen – am besten mit dem Stift in der Hand das Kreuz auf dem Wahlschein machen
(wobei die potentiellen Braun- und Blauwähler wie immer natürlich wieder einen Tag mehr Bedenkzeit haben und erst am 27.05.2019 im Wahllokal ihre Stimme abgeben müssen)

Werbeanzeigen

Zirkeltag

Die hiesige kommunale Presse machte heute mit dem „Zirkeltag“ auf.
Die Berliner Mauer ist auf den Tag genau so lang weg, wie sie von 1961 bis 1989 stand: 10.316.
Kinners, wie die Zeit vergeht.

180205-swp-mauer

So freudig dieser „Gedenktag“ für mich auch ist:
Beim Lesen der Zeilen unter dem Bild auf der ersten Seite der heutigen „Südwest Presse“ hab ich mich schon gleich das erste Mal aufgeregt.
„… Vielen Westberlinern war nur noch ein Blick in die DDR vergönnt, bis sich dann – am 09.November 1989 – die Grenzen wieder öffneten …“
Was haben die Ostberliner da gemacht? Denen war dann bald nicht mal mehr der Blick vergönnt.

Auf den Seiten 2 und 3 führen die Herren von der WestSüdwest Presse aus, wie es um die jetzt 56-Jährigen des 61 iger Ostjahrgangs heute so bestellt ist. Kurzfassung:
Ein Teil feiert heute noch den Herrn Bundeskanzler von damals und wer ihn nicht feiert, ist bei der AFD, Pegida, den Reichsbürgern und ähnlichen Vereinen. Kurz, ein Wutbürger.

Auch wenn ich als zu Wendezeiten gerade mal 15-Jähriger, nur etwas über die Hälfte der 10.3165 Tage „hinter“ der Mauer gelebt habe, ein Kommentar von mir.
1. Ich kenne niemanden in den neuen Bundesländern, der heute noch Herrn Kohl dafür feiert, dass „er“ die Einheit gebracht hat. Ich hab die Presse von damals dann doch eher anders in Erinnerung. Herr Kohl war es nicht, der als Erster diese Möglichkeit in Betracht gezogen hat, er hat eher gebremst.
2. Google sei Dank kommt man schnell zu dem Schluss, dass der Grossteil der oben zitierten AFD Mitglieder doch eher westsozialisiert ist.

afd
Quelle: http://www.bpb.de

Platz 1 bis 6 westdeutsche Länder, erst dann mit Sachsen ein ostdeutsches.

3. Reichsbürger… so ein Schwachsinn
Lieber Herr Journalist der SWP. Wiederum ein bisschen Google benutzen und schon kommt man zu den Kollegen der FAZ, die wiederum Zahlen vom Focus veröffentlichen: 3.500 in Bayern, 2.500 Ba-Wü, 2.200 NRW, 1.400 Niedersachsen und erst dann wieder das erste östliche Bundesland mit 1.300 (Sachsen).

Wenn ich jetzt bei den oben zitierten WutReichsPegidaAFDBürgern wär, könnt ich ja jetzt wieder „Lügenpresse“ schreiben. Mach ich aber nicht. Das war einfach nur ein mies gemachter Artikel in der SWP, der sich leicht hätte verhindern lassen, wenn sich der Autor nur mal ein bisschen angestrengt hätte und womöglich mal in den Osten rüber gefahren um die dortigen Leute mal kennen zu lernen, bevor er über sie schreibt. Aber Zone is ja janz schön weit weg. 😦

Hätte den beschriebenen Artikel ja gern hier zum Nachlesen verlinkt; dummerweise hab ich ihn auf den Online-Seiten der SWP nicht gefunden. sorry for that

%d Bloggern gefällt das: